Abt Karl Braunstorfer wurde am 3. Mai 1895 in Katzelsdorf bei Wiener Neustadt als Sohn von Bauersleuten geboren und auf den Namen Heinrich getauft. Nach Abschluss des Gymnasiums trat er am 22. August 1914 in das Stift Heiligenkreuz ein, wo er am 8. September 1918 die Feierliche Profess ablegte. Die Priesterweihe empfing er am 24. Februar 1919. Im selben Jahr bestellte ihn sein Abt zum Novizenmeister. Dieses Amt übte er bis zu seiner Abtsweihe im Jahr 1945 aus. In dieser Zeit formte er eine ganze Generation für das klösterliche Leben.

Am 23. Dezember 1933 wurde er Prior und Pfarrer der Stiftspfarre Heiligenkreuz. Als treuer und aufmerksamer Seelsorger erwarb er die Liebe und Hochachtung vieler Menschen. Nach dem Tod von Abt Gregor Pöck wählte ihn der Konvent am 9. August 1945 zum Abt. Noch im selben Jahr wurde er Präses der Österreichischen Zisterzienserkongregation. So galt seine Hirtensorge nicht nur dem äußeren Aufbau und der inneren Erneuerung des Stiftes Heiligenkreuz, sondern auch allen Klöstern dieser Vereinigung.

In bereits fortgeschrittenem Alter nahm er in seiner Funktion als Abtpräses am 2. Vatikanischen Konzil teil. Der Geist dieser Kirchenversammlung prägte seine letzten Lebensjahre: Er kam als völlig veränderter Mensch aus Rom zurück: Sein Blick hatte sich für die Weltkirche geweitet und sein Streben war es, den Geist des Konzils in sein Stift hinein zu tragen.

Im 75. Lebensjahr, stellte er sein Amt als Abt zur Verfügung und reihte sich demütig in die Schar der Mitbrüder ein. Trotz schwindender Gesundheit nahm er regelmäßig am Chorgebet teil und hatte großen Anteil an der Herausgabe des neuen Offiziums, das noch heute in seinem Geist im Stift Heiligenkreuz verrichtet wird.

Am 20. September 1978 starb Abt Karl im Kreis seiner Mitbrüder, begleitet von ihren Sterbegebeten. Nach einem Jahr der Krankheit, die er ergeben getragen hat, nahm er den Tod in vollem Bewusstsein aus Gottes Hand an. Wenige Tage vor seinem Tod schrieb er an GeneralabtSighard Kleiner „...dass ich vollkommen im Einklang mit dem göttlichen Willen bleibe...“

Wir können das Ordensleben von Abt Karl in drei großen Perioden zusammenfassen:

1919 – 1938 führte er als Novizenmeister die Kandidaten in das Ordensleben ein und verstand es, mit väterlicher Umsicht den Geist der Erneuerung wach zu halten.

1945 – 1969 war es ihm als Abt das größte Anliegen das klösterliche Leben nach dem Willen der Kirche und des Zisterzienserordens zu ordnen. Dabei verlangte er nichts, was er nicht selbst getan hätte. Trotz aller Strenge siegten doch bei ihm immer die Güte und Milde. Die grundlegende Renovierung der Stiftskirche mit der Verlegung des Chorgestühls diente dem Zweck, das monastische Leben zu erneuern und das Chorgebet wieder als Zentrum des Ordenslebens hervor zu heben. Die Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil veränderte ihn persönlich und er bemühte sich die Anregungen des Konzils in die Tat um zu setzten.

1969 – 1978 war er als emeritierter Abt seinen Mitbrüdern geistlicher Vater und stets zu jeder Hilfe bereit. Auch diese letzten Jahre erfüllte er mit dem Geist der Erneuerung. Mit letzter Kraft arbeitete er an der Neuausgabe des lateinischen Choroffiziums.

Er ruht nun im Konventfriedhof des Stiftes Heiligenkreuz neben der Klosterkirche.



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