Gedanken zum Konzilsvater Abt Karl Braunstorfer

Das 2. Vatikanische Konzil ist in seinem Inhalt nicht immer ganz verstanden worden. Nun soll ein Kronzeuge dieses kirchlichen Ereignisses seine Stimme erheben durch ein Seligsprechungsverfahren, das vorbereitet wird für die Erzdiözese Wien: Abt, Abtpräses und Konzilsvater Karl Braunstorfer vom Stift Heiligenkreuz (1895 - 1978). Mit Strenge und Güte suchte Abt Karl die neuen Aufbrüche des Konzils in seinem Konvent im monastischen Geist umzusetzen - wobei die Güte in seinem Handeln die Oberhand behielt. Die Früchte seines Wirkens dürfen wir wohl heute erleben.

Abt Karl wurde als Heinrich Braunstorfer in sehr bescheidenen Verhältnissen in Katzelsdorf bei Wiener Neustadt am 3. Mai 1895 geboren. 1914 trat er in das Stift Heiligenkreuz ein. Sofort nach seiner Priesterweihe im Jahr 1919 wurde er zum Novizenmeister bestellt. Eine weise Entscheidung des damaligen Abtes Gregor Pöck. Bereits 1933 wurde Pater Karl zum Prior und Pfarrer von Heiligenkreuz ernannt und stand dem greisen Abt in schwerer Zeit bei. Man denke nur an die Ära des Nationalsozialismus. Darüber können die älteren Heiligenkreuzer Auskunft geben.

Kurz nach dem Einmarsch der Russen, am 9. August 1945, wurde P. Karl Braunstorfer zum Abt gewählt, da sein Vorgänger in diesen schweren Tagen als gebrechlicher Mann sein Leben in Gott vollendete.

Abt Karl trug wesentlich zum Wiederaufbau des Stiftes und der Stiftskirche bei und erlangte viele hier ungenannte Verdienste während der Zeit der russischen Besatzung. Im selben Jahr wurde er Präses der österreichischen Cistercienserkongregation und nahm regen Anteil an den Geschicken des gesamten Ordens.

Abt Karl nahm als Konzilsvater am Zweiten Vatikanischen Konzil teil und ist bis heute für uns ein Zeuge, wie dieses Konzil die Kirche in die Zukunft führen will. Wie er es in seinem Kloster Heiligenkreuz verwirklicht hat: So war es gedacht von den Konzilsvätern - die Wurzeln wieder entdecken. (Zu den Konzilsteilnehmern gehört auch der jetzige Papst Benedikt XVI., der Heiligenkreuz im September 2007 besuchte).

Am 14. September 1969 stellte er sein Amt als Abt zur Verfügung und reihte sich demütig in die Schar seiner Mitbrüder ein. Die letzen Jahre seines Lebens widmete er der Neuordnung des Breviergebetes und der Herausgabe des neuen Offiziums. Sein Leben vollendete er in großer Gottergebenheit am 20. September 1978 im Kreis seiner betenden Mitbrüder.

Wir beten dass uns in Abt Karl durch die Kirche ein Seliger geschenkt wird, der uns das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Tiefe erfassen und in das gläubige Leben umsetzen lehrt.

PMS



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