Ein Brief Abt Karls an einen jungen Kaplan

Ein Brief, den Abt Karl an einen jungen Kaplan aus dem Heiligenkreuzer Konvent zwei Jahre nach Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils (1967) schrieb, gibt uns Einblick in Abt Karls Erwartungen von dem Alltag eines Cisterciensers, der in der Pfarrseelsorge wirkt.

Lieber Pater N.N.!

Da Sie nun als Kaplan in die Seelsorge eintreten, möchte ich Ihnen einige Richtlinien mitgeben.

In der Ausübung der regulären Seelsorge ist uns eine ähnliche Aufgabe wie den Weltpriestern gestellt. Sie besteht darin, die Gläubigen zum Leben in Christus zu führen, sie darin zu bewahren und zu fördern. Wir wissen, daß wir das nur dann wirksam tun können, wenn wir sein Leben selber in uns haben. Um an seiner Fülle teil zu haben, haben wir uns Christus in der Profeß ganz übergeben. Die beste Sicherung für ein gesegnetes seelsorgliches Wirken liegt in der Bewahrung dieser Grundhaltung. Wir wollen daher unser geistliches Leben weiter aus denselben Quellen wie bisher speisen. Es sind dies: Die Feier der hl.Messe, das göttliche Offizium und die Hl.Schrift, aber auch die Pflege des Familiengeistes in brüderlicher Verbundenheit mit Abt und Mitbrüdern, innerhalb und außerhalb des Stiftes.

Hausbesuche sollen nur seelsorglichen Zwecken dienen. Der Herr Pfarrer soll auch darum wissen. Gasthausbesuche geschehen nur im Notfall und mit seiner Erlaubnis. Habit oder Priesterzivil sollen uns überall als Geistliche ausweisen.

Es ist wichtig, daß Sie sich für Ihren eigenen Bereich eine Tagesordnung aufstellen. Sie sollen so zeitig aufstehen, daß Laudes, Betrachtung, Prim und Hl. Messe vor Beginn der Arbeit untergebracht sind. Die Betrachtung kann auch in der Form geschehen, daß Sie durch eine halbe Stunde Schriftlesung halten, die Sie mit einem persönlich gehaltenen Gebet abschließen. Diese Schriftlesung soll keinen Tag unterbleiben und, wenn sie morgens nicht gehalten werden konnte, zu einer anderen Tageszeit nachgeholt werden. Die übrigen Horen sollen nach Möglichkeit zu ihrer Zeit gebetet und mit dem Completorium das Tagewerk geschlossen werden. Die Vigilien werden wohl am besten abends antizipiert. Ergibt sich aus der Lage der Dinge, daß zu bestimmten Zeiten das ganze Offizium nicht ohne große Schwierigkeiten bewältigt werden kann, so bin ich bereit, von meiner Dispensgewalt Gebrauch zu machen. Wählen Sie sich auch einen Beichtvater und setzen Sie sich regelmässige Termine für die Beichte. Legen Sie mir nach Monatsfrist die getroffene Tageseinteilung vor.

Unserer Profeß entsprechend und dem Anruf des Konzils, soll unser Lebensstil vom Geist der Armut geprägt sein. Die äußerliche Übung des Votums ist für Ihre Verhältnisse so gedacht, daß Ihre Verpflegung durch den hochw. Herrn Pfarrer geschieht. Geistliche und zivile Kleidung werden durch das Kammeramt bestritten, wie auch andere größere Anschaffungen, welche notwendig sind. Die Erlaubnis dazu ist von mir zu holen. Das trifft auch für Urlaub und Urlaubsgeld zu. Für Ihre laufenden Bedürfnisse stehen Ihnen die Meßstipendien, Spenden bei der Taufe eines Kindes zur Verfügung. Dazu führen Sie ein Kassabuch, in das auch gelegentliche Spenden einzutragen sind. Ich ersuche Sie, daß Sie mir das Kassabuch zu Beginn des jeweiligen Kalenderquartals vorlegen und dabei auch die erhaltenen Geschenke erwähnen. Es kommen heutigentags auch manchmal außergewöhnliche Geschenke vor. In einem solchen Fall ist eine vorausgehende Erlaubnis meinerseits nötig.

Wenn von uns in Gebet und Lebensführung mehr verlangt wird als von den Weltpriestern, so wollen wir das im Hinblick darauf, daß die Arbeit an den Seelen von der Gnade bedingt ist und wir ihnen diese eben auf diese Weise vermitteln wollen und können, das Mehr gerne auf uns nehmen. Wir wollen um eine ernste Christusnachfolge bemüht sein, damit wir wie der hl.Paulus sagen können: „Nehmt mich zum Vorbild, wie auch ich meinerseits Christus zum Vorbild mir nehme.“ (1 Kor 11,1).

Beginnen Sie also Ihre schöne Aufgabe mit dem Segen des Herrn und unter dem Schutze Mariens!

Ihr Abt Karl 

Das Hochfest des Leibes und Blutes Christi

Das Hochfest des Leibes und Blutes unseres Herren Jesus Christus war für Abt Karl ein Höhepunkt des Kirchenjahres. In einem seiner Primizsprüche hatte er bewusst auf die Heilige Messe Bezug genommen: „Wenn der Priester das heilige Opfer darbringt, ehrt er Gott, erfreut die Engel, erbaut die Kirche, hilft den Lebenden, erwirbt den Verstorbenen Ruhe und macht sich selbst aller Güter teilhaftig.“ Es stammt aus einem Lieblingsbuch, das den Abt ein Leben lang begleitet hat: die "Nachfolge Christi" (hier Buch 4, Kapitel 5).

Pater Wolfgang Buchmüller OCist: Karl Steiner und die kulturelle Hinterlassenschaft Abt Karl Braunstorfers

"Das kulturelle Erbe steht spürbar für eine Epoche. Nochmehr als das literarische Werk (...) ist das künsterlische Werk einer Zeitepoche mit dem Kult und mit der prägenden Kraft ihrer kulturschaffenden Akzente verknüpft. Wichtig erscheint uns bei dieser Retroperspektive des Abbatiates Karl Braunstorfers (1949 - 1969) in erster Linie, dass überhaupt der Versuch der Schaffung einer modernen religiösen Kunst unternommen wurde. Dass dies gelang, erscheint keineswegs als so selbstverständlich, gebären sich doch Moderne und religiöses Empfinden mitunter als feindselige Kontrahenten...Wenn man auf die Person Abt Karl Braunstorfers eingehen will, so wird man feststellen, dass sich Einiges bei den Künstlern spiegelt, mit denen er am meisten verbunden war: Wie er lebten Karl Steiner, Margret Bilger und Florian Jakowitsch im eher ländlichen Bereich...wie Abt Karl verkörpern sie etwas von der Vielfalt des österreichischen Katholizismus, der keineswegs so eng angelegt war wie manche annehmen wollen..."

Diesen Beitrag finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Sancta Crux 2009, ISBN 978-3-902694-23-2, erschienen im Be&Be Verlag, erhältlich im Kolsterladen oder unter http://shop.stift-heiligenkreuz.org/catalog/

Reinhold Schneider, † 6. April 1958 aus: „Winter in Wien“

Wie sehr Reinhold Schneider von der Gestalt des Abtes Karl Braunstorfer beeindruckt war, ist in „Winter in Wien“ Literatur geworden! (Zitiert aus der 12. Auflage, Freiburg-Basel-Wien 1978, 236-240.)

Vor dem Arbeitsfenster des Herrn Abtes liegt der weitgebreitete, von zweigeschossigen Lauben umzogene Hof, den die phantastische Dreifaltigkeitssäule, der Josephsbrunnen im Geviert dickstämmiger, wetterharter Platanen schmücken: von dem Elend der Flüchtlinge, das vor kaum einem Dutzend Jahren sich hier in schauriger Verwirrung zusammendrängte, den Kellerorgien der „Verteidiger“ und Sieger blieb keine Spur. Das zarte Gespinst des Vorhangs im Arbeitszimmer ist kunstvoll gefaltet; auf dem Schreibtisch aus edlem Holz sind Papiere und Utensilien wohlgeordnet; der Rokokoofen, die Bilder sind unverletzt.

Der hochwürdige Herr im weißen Habit mit dem schwarzen Skapulier ist wie eine unzerstörbare Gestalt, schmal, geprägt, mit dem Lächeln derer, die durch das Feuer geschritten sind, der ungewollten, unbetonten Überlegenheit über die Kinder der Welt. Das Persönliche ist vergangen: es ist der Abt des Ordens von Cîteaux und Clairvaux, wie um 1133, als Leopold der Heilige die Söhne Bernhards rief, so heute; es ist der Abt von Heiligenkreuz, der schon über achthundert Jahre regiert.[...]

Unter der strengen Fassade, die drei hochgelegene Fenster für das Mittelschiff setzte und je eines für die Seitenschiffe, verabschieden wir uns von dem Herrn Abt. Er allein, wie sehr empfinde ich das, hat ein Recht, hier zu sein; er ist eins mit dieser steinernen Größe, die Brunnenhaus durch Jahrhunderte strömenden Segens ist. Er entschwindet in ihr, wie seine Vorgänger in ihr ent­schwanden, Person geworden in überpersönlichem Dienst.

Tolle Tagung über den Seligsprechungskandidaten "Abt Karl Braunstorfer"

Wie schön, dass diese Tagung gerade auf den Festtag des heiligen Josef fiel, den Abt Karl (1895-1978) sehr verehrt hat: Verschiedene Referenten sprachen am 19. März 2010 im vollen Kaisersaal über die Gestalt von Abt Karl, über das Wesen der Heiligkeit, über den Sinn von Heiligsprechungsverfahren. Zu den Opens external link in new windowEindrücken der Tagung gibt es ein Video auf youtube. Auf einem weiteren Clip ist ein kurzer Opens external link in new windowhistorischer Abschnitt von 1950 zu sehen, wo Abt Karl im Kreuzgang mit den Mitbrüdern in Prozession zieht.



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